Chronik von Birkach
| Birkach, das nach einem Birkengehölz
benannt wurde, ist wohl in der letzten Rodungszeit im 8. Jahrhundert auf
der Urmarkung Plieningen entstanden. In wechselnden Abhängigkeitsverhältnissen
gehörte es mit Riedenberg politisch und kirchlich lange zu Plieningen.
Die schriftlich überlieferte Geschichte von Birkach beginnt mit der
ersten urkundlichen Erwähnung des Ortsnamens um 1140. Damals schenkte
der niederadelige Hugo von Plieningen einen Hof und Äcker dem Kloster
Hirsau. Über die einstigen Lehnsherren, die Pfalzgrafen von Tübingen,
kam Birkach zunächst zum Kloster Bebenhausen und 1478 an die Grafschaft
Württemberg.
Wie andere Filderorte hatte Birkach jahrhundertelang unter den Auswirkungen der Kriegsereignisse zu leiden. So wurde 1449 in den Kämpfen der Freien Reichsstadt Esslingen mit Graf Ulrich V. von Württemberg der Ort teilweise niedergebrannt. Den dreißigjährigen Krieg 1618-1648 überlebte nur ein Drittel der einstigen Einwohner. Neue Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten
fanden die Birkacher, als Herzog Carl Eugen 1772 den „Garbenhof“ in Hohenheim
seiner Geliebten Franziska schenkte. Die Bauten des Schlosses und des „Englischen
Dörfles“ entstanden, und Hohenheim wurde des Herzogs Residenz. Franziska,
der Reichsgräfin von Hohenheim, zuliebe baute der Herzog in Birkach
1780 eine Kirche mit Pfarrhaus und errichtete hier eine selbstständige
evangelische Pfarrei. Der erste Birkacher Pfarrer,
1818 verlegte König Wilhelm I. von Württemberg die Landwirtschaftliche Unterrichts-, Versuchs- und Musteranstalt nach Hohenheim. Das gab Arbeitsplätze und neue Anregungen für die Landwirtschaft im ganzen Land. In Birkach selbst wurde 1826 ein neues Rathaus gebaut; dort war auch in zwei Räumen die Schule untergebracht. Birkach dehnte sich um die Jahrhundertwende aus. In Schönberg entstanden die ersten Häuser, die Vorgänger der heutigen Villensiedlung. 1942 endete die Selbstständigkeit Birkachs. Es wurde nach Stuttgart eingemeindet. Seit 1973 wird der Stadtbezirk in Personalunion mit Plieningen verwaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg vergrößerte sich die Bevölkerung. Aus ursprünglich 1.000 Einwohnern wurden bis heute, zusammen mit dem Stadtteil Schönberg, über 6.000. Der Neubau einer Grundschule 1970 sowie die Errichtung einer Turn- und Versammlungshalle mit Jugendhaus 1978 verbesserten die Infrastruktur des Ortes. 1979 wurde „Haus Birkach“ eingeweiht, ein Studien- und Ausbildungszentrum für württembergische Pfarrer und Religionspädagogen. Am Ortsrand entstand die „Genossenschafts-Akademie“, eine Ausbildungsstätte des Württembergischen Genossenschaftsverbandes. 1992 wurde das „Nikolaus-Cusanus-Haus“, ein Altenwohn- und Pflegeheim, seiner Bestimmung übergeben. |